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Art 4 Soul Ink

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Die Tätowierung für Diabetiker: Farbänderung bei Blutzuckerspiegel Änderung

 

Ob Schriftzüge, Porträts oder z. B. Comic-Figuren, verschiedenste Motive werden immer häufiger als lebenslange Tätowierung auf der Haut verewigt. Während diese ursprünglich nur dem Wunsch nach persönlichem Selbstausdruck und Einzigartigkeit nachgingen, sollen sie in Zukunft als sogenannte „Smart Tattoos“ auch einem bestimmten Zweck dienen.

Die Innovation von sogenannten „eSkin-Tattoos“ entsperrten als Klebe-Tätowierungen bereits beispielsweise das eigene Handy. Nun sollen zukünftig auch die permanenten Varianten mehr tun als nur den Körper zu schmücken. Geforscht wird an modifizierten Tätowierungen, die der Überwachung bestimmter Körperfunktionen dienen sollen und somit auch Veränderungen dieser melden.

Ein Forschungsteam aus Wissenschaftlern der Harvard Medical School und dem Massachusetts Institute of Technology arbeiten deshalb an einer Tätowierung, die insbesondere auf Veränderungen des Blutzuckerspiegels von Diabetikern reagiert.

 

Das Problem: Diabetes Typ 1 und Typ 2

Täglich erkranken etwa 1000 Personen allein in Deutschland an Diabetes. Die

Krankheit gilt als eine Haupttodesursache unserer Gesellschaft und wird in zwei

Typen eingeteilt. Die Patienten von Diabetes Typ 1 und Typ 2 leiden unter einer Fehlfunktion gewisser Körperfunktionen, die ihre Insulinproduktion negativ beeinflusst. Da Insulin dafür zuständig ist, den zu uns genommenen Zucker in Energie umzuwandeln und diese Fehlfunktion dies verhindert, kommt es zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel.

Um langfristigen Schäden oder gar tödlichen Folgen des zu niedrigen Blutzuckerspiegels entgegenzuwirken, sind Diabetes Patienten deshalb auf die regelmäßige Kontrolle dieses angewiesen. So ist der Alltag der Patienten geprägt von Blutproben und der Benutzung von bestimmten Messgeräten. Statt alltäglichem Piksen in den Finger zur Blutabnahme soll Dank dem Forschungsprojekt „Dermal Abyss“ in der Zukunft nun ein Blick auf das gestochene Motiv auf der Haut ersetzt ausreichen.

 

Wo Körperkunst, Medizin und Wissenschaft zusammentreffen

Dermal Abyss wurde als gemeinschaftliches Forschungsprojekt von den zwei Forschern der Harvard Medical School, Ali Yetisen und Nan Jiangund, sowie den vier Forschern des Massachusetts Institute of Technology, Katia Vega, Xin Liu, Viirj Kan und Nick Barry in die Welt gerufen. Für diese Zusammenkunft von MIT Experten, die das Wissen über Technologie mitbringen, und Experten der Medizin von Harvard war die Körperkunst der Tätowierung das optimale Medium für ihr Projekt.

Das Ziel der Forscher ist, die Diabetes bedingte Kontrolle des Blutzuckerspiegels dauerhaft zu vereinfachen, indem sie die ästhetischen Vorteile, die Beständigkeit sowie Sichtbarkeit eines Tattoos nutzen. Mithilfe der Biotechnologie arbeitet das Team daran, spezifisch die Tätowier-Tinte so zu verändern, dass sie die Haut der Patienten zu einer interaktiven Anzeige macht. Die Tinte soll also Dank eingesetzten Biosensoren auf bestimmte Veränderungen des Körpers reagieren und darauf durch äußerliche Veränderungen aufmerksam machen. So soll aus dem Dermal Abyss Projekt ein „Biosensing-Tattoo“ als Ergebnis resultieren, das wie folgt im Detail funktioniert.

 

So soll die Biosensing-Tätowierung funktionieren

Statt gewöhnlicher Tätowier-Tinte, die wie unser Studio in Stuttgart auch jedes andere Studio verwendet, soll bei der zukünftigen Smart Tätowierung eine spezialisierte Tinte verwendet werden. Diese soll im Gegensatz zur normalen Tinte interaktiv sein, dabei allerdings nicht auf äußere, sondern innere Einflüsse reagieren.

Das soll mithilfe von eingesetzten Biosensoren möglich gemacht werden. Also Sensoren, die auf bestimmte biologische Zustände in unserem Körper antworten. Dank vier von diesen Sensoren gibt das gestochene Motiv bei Veränderungen des körpereigenen Blutzuckerspiegels, Natriumspiegels und der beiden pH-Werte eine Reaktion ab. Diese Reaktion wird bei der Biosensing-Tätowierung dann in Form einer Farbänderung der Tinte für den Träger deutlich gemacht.

Ein Diabetiker würde die Farben seiner Tätowierung also wie folgt einordnen können:

Erhöht sich der pH-Wert einer Person, ändert sich die Farbe von Lila zu Pink.

Die Erhöhung des Natriumspiegels symbolisiert der zuständige Sensor mit einer Veränderung zu Grün.

Eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels, dem wichtigsten Wert für einen Diabetiker, erkennt dieser an der Farbänderung von Blau zu Braun.

Neben einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels könnte man mithilfe des Biosensing-Tattoos somit auch eine pH-Wert sowie Natriumspiegel Veränderung erkennen. Der Farbwechsel des pH-Wertes könnte damit auf eine mögliche Dehydrierung aufmerksam machen, während ein Anstieg des Natriums ein Zeichen für Bluthochdruck darstellt.

 

Das macht die Biosensing-Tätowierung so innovativ

Neben der Biosensing-Tätowierung werden auch andere Alternativen zur regelmäßigen Blutzuckerspiegel-Kontrolle hinterfragt. Zu diesen gehören z. B. elektronische, tragbare Sensoren oder auch Implantate mit den Biosensoren.

Obwohl diese als Alternative infrage kommen würden, werden beide Optionen verschiedene Probleme auf, die mit der Biosensing-Tätowierung zu vermeiden sind. Die implantierbaren Biosensoren einerseits sind nicht vollständig kompatibel mit unserem Körpergewebe und würden aus diesem Grund nicht präzise Informationen weitergeben können. Zudem können sie zu weiteren Beschwerden der Patienten führen.

Die tragbaren Sensoren andererseits bieten die Möglichkeit, viele Daten des Körpers zu sammeln. Für das Einsehen dieser Daten wird aber immer ein externes Gerät zur Verfügung stehen müssen. Sie verfügen darüber hinaus über keinen direkten Zugang zu den Körperelementen. Aufgrund dieser Umstände steigen auch die dauerhaften Kosten und der Aufwand, der beispielsweise durch die Batterieladung entsteht.

Für die dauerhafte Funktion der Idee von Dermal Abyss hingegen ist nur ein einmaliger Betrag für das Stechen zu zahlen, ohne dass die Tätowierung im Nachhinein irgendeine Art von Aufladung benötigt, um permanent zu funktionieren. Ein weiterer Vorteil wäre, dass sich die Tätowierung in der Haut befindet und somit maximale Kompatibilität bietet.

So können Diabetiker eine Tätowierung weiterhin für die persönliche Repräsentation und Ästhetik, aber darüber hinaus auch für ihre eigene Gesundheit nutzen.

 

 

Vorab: Geduld ist gefragt

Die Biosensing-Tätowierung basiert aufgrund der vielen Diabetiker und der regelmäßig umständlichen Blutkontrolle dieser auf einer hohen Nachfrage. Diese Technologie steht allerdings im Moment noch am Anfang ihrer Entwicklung. Auch die amerikanischen Forscher betonen deshalb, dass es als Produkt noch lange nicht ausgereift ist.

Vorab muss die Tinte auf Ungewissheiten über mögliche allergische Reaktionen, die Genauigkeit der Sensoren und auch ihre Langlebigkeit getestet werden. Zum derzeitigen Standpunkt wird sie deshalb noch auf der Menschen ähnlichen Haut von Schweinen getestet. Erst nachdem die Biosensing-Tinte auf dieser besteht, folgen Tests auf lebender Haut oder gar an Menschen.

 

Auch wenn noch viel Forschung notwendig ist, stellt dieses Smart Tattoo eine bedeutende Technologie dar, die schon in naher Zukunft eventuell auch in unserem Studio in Stuttgart angewandt werden könnte. Die biosensorische Tinte könnte dabei wie gewöhnliche Tätowier-Tinte verwendet werden, womit auch in der Motivwahl keine Grenzen gesetzt sind. Für eine Vielzahl von Diabetikern wäre so eine Tätowierung eine große Erleichterung in ihrem Leben, die sowohl praktisch, als auch ästhetisch in Erscheinung tritt.

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